Der Computer Nr. 3

Ich lese für die Uni gerade das 1984 erschienene, amüsant-polemische Buch "Pac Man & Co. Die Welt der Computerspiele" von Georg Seesslen und Christian Rost, und bin bei der Lektüre über obiges Lied gestolpert zu dem es heißt:

France Gall sang «Der Computa Numma draaa-i / sucht für mich den rischtigen Boy», und so wie sie das kiekste, war es ein bisschen oh-là-là, denn Partnervermittlung per Computer war damals einerseits der letzte Schrei im Gewerbe, andererseits aber neigte man dazu, die Verbindung von Computer und Liebe irgendwie unmenschlich zu finden.¹

1Seesslen, Georg; Rost, Christian: Pac Man & Co. Die Welt der Computerspiele. Reinbek bei Hamburg: Rohwolt Taschenbuch, 1984.

Blast his freaky head off!

Der Topos des vereinzelten, durch raschen Wandel verunsicherten und in seiner Handlungsfreiheit durch globale Prozesse eingeschränkten Individuums hat unlängst seinen Weg aus der soziologischen Literatur in den popkulturellen Mainstream gefunden. Als aktuelles Besipiel bietet sich der Song der Irgendwas Bleibt von Silbermond. Während letztere den alten Tagen der Konstanz und Kontinuität nachweinen, findet sich in einem älteren Werbeclip des ehemaligen 3D-Chip Herstellers 3dfx eine wesentlich interessantere Art, mit diesem Thema umzugehen.

Im Kern geht es hier um die fragile, individuelle Sinnkonstruktion ("I wish my parents could see me now"), die durch übermächtige, äußere Strukturen (Hier: Lautsprecher) ständig bedroht ist. Diesen quasi sinn-entleerten Raum nutzt der Clip um die ideologische Geringschätzung des "sinnlosen", weil unproduktiven, Computerspiels zu hinterfragen.

Dem nutzlosen Spiel wird der augenscheinlich bedeutende und erstrebenswerte Schutz der Umwelt gegenübergestellt, der im Laufe des Clips als stereotypisierte High-Tech-Allmachtsfantasie dekonstruiert wird. Auffällig ist das geschickte Aufgreifen formaler und inhaltlicher Klischés unternehmerischer Selbstinszenierung - Vom knuffigen Computer-Inder (man denke an Nummer 5 lebt!) über Tiefenschärfe - Verlagerungen mit ominösen Platinen und suggestiven 3D-Animationen ("OZONE RESTORED!") bis zu einem ergreifenden Soundtrack. Durch die Infragestellung der Bewertungsmuster "sinnvoll" / "sinnlos" wird die scheinbare Gegensätzlichkeit relativiert und als gesellschaftlich "gemacht" enttarnt.

Natürlich wäre es vermessen, in diesem Zusammenhang von Aufklärung im Werbefernsehen zu sprechen, schließlich ist das Hinterfragen hier letztlich ökonomisch motiviert: Man möchte 3D-Beschleuniger verkaufen; Das Fehlen von Sinn als Verkaufsargument. Dennoch unterscheidet das Motiv des "Infragestellens" die 3dfx-Werbung von den meisten anderen Spots, die sich mit einfachen Antworten begnügen.

Eine letzte, fast schon aggressive, Wendung nimmt der Spot am Ende, wenn es heißt: "so powerful, it's almost ridiculous!". Wobei jedem Computerspieler klar ist, dass lächerlich große Leistungsfähigkeit schon in naher Zukunft zu wenig sein wird - Wie der gesamte Clip, eine ironisierende Anspielung auf die Parallele Entwicklung von Computerspielen und -technologie.
Im Hinblick auf die labile Situation der subjektiven Sinnkonstrukion lässt uns der Spot mit einem optimistischen Kommentar zurück: "Blast his freaky head off!", die Adaption an die unbeständige Sinn-Umwelt kann gelingen.

Reading my mother's blog...

ODER: "Meine Jugend in der Blogosphäre"

Foto: igs Göttingen - Geismar

Of Ballet Shoes and Odd Socks...

Gestern Abend in der Astra Stube gesehen und glücklich nach Hause gegangen: Grand Pocket Orchestra aus Dublin. Oben: Tolles Video!

Links
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