Bis zum 16.06.2009 läuft beim Bundestag noch eine, meiner Meinung nach, unterstützenswerte Petition zum Thema Internetsperren.
In dem unten verlinkten Beitrag des NDR könnt ihr euch einen groben Überblick über die Problematik des Themas verschaffen. Hauptkritikpunkte an dem von der CDU vorgelegten Gesetzentwurf sind zum einen, dass hier das Thema Kinderpornographie als bloßer Vorwand für verschärfte Kontrollen des Nutzerverhaltens und Zensur mißbraucht wird und zum anderen, dass diese Maßnahme trotz der für den Bürger entstehenden rechtlichen Nachteile überhaupt keine effizienten Mittel zur Bekämpfung von Kinderpornographie bietet.
Wer noch keinen Account bei epetitionen.bundestag.de hat, sollte dies zum Anlass nehmen!

Links
NDR Beitrag
Petition beim eBundestag

Zur Einstimmung auf den kommenden Sozialismus heute mal ein wenig Popmusik aus meinen Kindertagen in Polen. Damals, als in Deutschland Freiheit und Wohlstand noch zähflüssig und süß Rhein-abwärts flossen, war der Westen für viele Polen ein verwirklichter Traum. Auch wenn es von der politischen Führung nicht gern gesehen wurde, orientierten sich viele polnische Popgruppen an der Ästhetik des Westens; und so bescheuert der Name "Papa Dance" heute klingen mag, seinerzeit (und Ort) war er ein kesser Verweis auf die glamuröse Welt jenseits der nicht-erteilten Ausreiseerlaubnis.Die modischen Klamotten und teueren Spiegelreflexkameras die im Video zur Schau gestellt werden, sind also durchaus nicht nur als Statussymbole zu verstehen, sondern haben einen subversiven Charakter.
Es wäre wohl ein Leichtes Papa Dance als billige Nachahmung abzuwatschen, aber ich habe das Gefühl, dass solche Versuche (mißglückten) Kulturimports mitunter etwas unheimlich produktives haben, in dem sie höchst ambivalente Werke hervorbringen, die einen eigenen Mehrwert gegenüber den Originalen haben. Das was da mitschwingt, beim Synthie-Offbeat, das war im West-Vorbild noch nicht da.

Irgendwie scheinen die Japaner eine Faszination für das Christentum zu haben, denn in kaum einem japanischen Rollenspiel (JRPG) kommt man an Verweisen auf die christliche Gedankenwelt und Geschichte vorbei. Dabei treibt diese Faszination mitunter seltsame Blüten, wenn sich zu christlichen Motiven Fantasy-Elemente hinzugesellen.

So etwas spielt sich auch in Le Monde, dem Schauplatz von Vagrant Story, ab, wo ein christlicher Ritterorden brutal gegen eine mächtige Sekte vorgeht während man als (natürlich) amnestischer Held zwischen den Fronten steht. In einer der Cut-Scenes ergründen die Figuren die Natur des Todes: Was genau ist der Tod? Nach einer kurzen Elaboration über den Unterschied zwischen dem Tod des Körpers und dem Tod der Seele kommt einer der Ordensritter in Bezug auf die Zombie-Sekte zu dem Schluss: "In Le Monde bedeutet "Unsterblichkeit" keineswegs nicht zu sterben..." faszinierend!

Ich lese für die Uni gerade das 1984 erschienene, amüsant-polemische Buch "Pac Man & Co. Die Welt der Computerspiele" von Georg Seesslen und Christian Rost, und bin bei der Lektüre über obiges Lied gestolpert zu dem es heißt:

France Gall sang «Der Computa Numma draaa-i / sucht für mich den rischtigen Boy», und so wie sie das kiekste, war es ein bisschen oh-là-là, denn Partnervermittlung per Computer war damals einerseits der letzte Schrei im Gewerbe, andererseits aber neigte man dazu, die Verbindung von Computer und Liebe irgendwie unmenschlich zu finden.¹

1Seesslen, Georg; Rost, Christian: Pac Man & Co. Die Welt der Computerspiele. Reinbek bei Hamburg: Rohwolt Taschenbuch, 1984.

Der Topos des vereinzelten, durch raschen Wandel verunsicherten und in seiner Handlungsfreiheit durch globale Prozesse eingeschränkten Individuums hat unlängst seinen Weg aus der soziologischen Literatur in den popkulturellen Mainstream gefunden. Als aktuelles Besipiel bietet sich der Song der Irgendwas Bleibt von Silbermond. Während letztere den alten Tagen der Konstanz und Kontinuität nachweinen, findet sich in einem älteren Werbeclip des ehemaligen 3D-Chip Herstellers 3dfx eine wesentlich interessantere Art, mit diesem Thema umzugehen.

Im Kern geht es hier um die fragile, individuelle Sinnkonstruktion ("I wish my parents could see me now"), die durch übermächtige, äußere Strukturen (Hier: Lautsprecher) ständig bedroht ist. Diesen quasi sinn-entleerten Raum nutzt der Clip um die ideologische Geringschätzung des "sinnlosen", weil unproduktiven, Computerspiels zu hinterfragen.

Dem nutzlosen Spiel wird der augenscheinlich bedeutende und erstrebenswerte Schutz der Umwelt gegenübergestellt, der im Laufe des Clips als stereotypisierte High-Tech-Allmachtsfantasie dekonstruiert wird. Auffällig ist das geschickte Aufgreifen formaler und inhaltlicher Klischés unternehmerischer Selbstinszenierung - Vom knuffigen Computer-Inder (man denke an Nummer 5 lebt!) über Tiefenschärfe - Verlagerungen mit ominösen Platinen und suggestiven 3D-Animationen ("OZONE RESTORED!") bis zu einem ergreifenden Soundtrack. Durch die Infragestellung der Bewertungsmuster "sinnvoll" / "sinnlos" wird die scheinbare Gegensätzlichkeit relativiert und als gesellschaftlich "gemacht" enttarnt.

Natürlich wäre es vermessen, in diesem Zusammenhang von Aufklärung im Werbefernsehen zu sprechen, schließlich ist das Hinterfragen hier letztlich ökonomisch motiviert: Man möchte 3D-Beschleuniger verkaufen; Das Fehlen von Sinn als Verkaufsargument. Dennoch unterscheidet das Motiv des "Infragestellens" die 3dfx-Werbung von den meisten anderen Spots, die sich mit einfachen Antworten begnügen.

Eine letzte, fast schon aggressive, Wendung nimmt der Spot am Ende, wenn es heißt: "so powerful, it's almost ridiculous!". Wobei jedem Computerspieler klar ist, dass lächerlich große Leistungsfähigkeit schon in naher Zukunft zu wenig sein wird - Wie der gesamte Clip, eine ironisierende Anspielung auf die Parallele Entwicklung von Computerspielen und -technologie.
Im Hinblick auf die labile Situation der subjektiven Sinnkonstrukion lässt uns der Spot mit einem optimistischen Kommentar zurück: "Blast his freaky head off!", die Adaption an die unbeständige Sinn-Umwelt kann gelingen.

ODER: "Meine Jugend in der Blogosphäre"

Foto: igs Göttingen - Geismar